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Manfred Herbig Violoncello

Über Fingersätze

Gute Fingersätze scheinen wie gut gehütete Geheimnisse zu sein und sich wie Erleuchtungen über die Gesegneten ergossen zu haben. Experten ließen und lassen sich "ihre Fingersätze" teilweise teuer bezahlen.

Aber eigentlich ist es wie mit der einmaligen Käsetorte, die man bei einem Geburtstagskaffee bekommt: Es nützt nämlich wenig, ein Stück mit nach Hause zu nehmen - man müsste der Gastgeberin vielmehr das Rezept entlocken - ablisten.

Doch einfacher ist es hier: ich will im folgenden versuchen, auf der Grundlage von Erfahrung und Reflexion in einigen wenigen Regeln zusammenzufassen, wie man zu guten Fingersätzen kommt, mit denen sich Schwierigkeiten häufig beseitigen lassen.

Üben ist natürlich trotzdem unvermeidlich.

Die Liste ist nicht vollständig - eher eine Anregung. Vielleicht ist man geneigt, selbst weitere Regeln hinzu zu setzen:

 

 

1. Gleiches gleich spielen : Sich wiederholende aufsteigende oder absteigende Sequenzen lassen sich oft so einrichten, dass man periodisch immer mit demselben Finger beginnt und immer an der entsprechenden Stelle die Lagenwechsel ausführt.

2. In Betonungen springen : Jede Änderung ist mit einem Akzent verbunden. Man denke nur daran, wie schwierig es ist, einen völlig unhörbaren Bogenwechsel auszuführen. Lagen- und Saitenwechsel sollte man so legen, dass sie auf die eher betonten Zählzeiten fallen.

3. Floskeln, Motive, Phrasen gehören zusammen : Mit Hilfe von Lagen- und Saitenwechseln kann man sehr schön zur musikalischen Gestaltung und Strukturierung finden, die eigentlich über dem Meistern technischer Schwierigkeiten stehen sollte.

4. Eher nach langen als nach kurzen Noten wechseln: Dies ist fast immer musikalisch gerechtfertigt und entspricht auch dem natürlichen Atemverhalten der Bläser.

5. Kleine Sprünge sind besser als große, weil sie sich präziser ausführen lassen. Daher ist es oft gut, auf der tieferen Saite in einer höheren Lage zu spielen, um einen hohen Ton vorzubereiten (siehe auch 8). - Auch glätten zwei kleine Lagenwechsel eine Passage oft besser als ein großer.

6. Eng ist bequemer als weit. Gespreizte Positionen (weite Lagen) sind eher unsauber als enge.

7. Unkonventionelle Fingersätze sind oft nützlich, wollen jedoch besonders trainiert sein. "Unerlaubte Griffe" gibt es am Cello nicht! Abseits des Üblichen, jedoch hilfreich sind

a) die übermäßige Streckung (Oktavgriff, Ablangen), mit der man oft den Daumenaufsatz vermeiden kann - entsprechend auch die kleine Terz (drei Halbtöne) zwischen 1. und 2. Finger,

b) das Zusammenziehen der Finger (z.B. Halbton zwischen 1 und 4),

c) "Geigenfingersätze" eventuell mit leichtem Nachrücken (besonders gut zu machen in der III. und IV. Lage -   g a h c' auf der D-Saite mit 1 2 3 4),

d) die alte "weite Griffart" oder "weite Lage": Bis etwa 1920 spielte man beispielsweise e fis gis auf der D-Saite nicht 1 2 4 sondern mit abgespreiztem 4. Finger - also 1 3 4. Dieser Fingersatz erweist sich manchmal als hilfreich bei Bruckner, Brahms, Dvorak und anderen.

8. Die Katastrophe lässt sich vermeiden : Wenn etwas nicht klappt - unspielbar erscheint, ist die "Vorgeschichte" zu analysieren und so zu verändern, dass die Katastrophe nicht eintreten kann: "Das Eisenbahnunglück passiert eigentlich vor dem Eisenbahnunglück."

Kopieren und weitergeben ausdrücklich gestattet - aber bitte mit dem Namen des Urhebers. M.H.

im Dezember 2002
Manfred Herbig

Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Manfred Herbig
Kossuth Lajos út 60
H-8648 Balatonkeresztúr
Tel. 0036 30 732 1875

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